Perspektiven der Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland

Bolte, Andreas GND; Börner, Jan GND; Bräsicke, Nadine GND; Degen, Bernd GND; Dieter, Matthias GND; Saake, Bodo GND; Schneider, Bernd Uwe GND

Neben der Landwirtschaft zählen die Forst- und Holzwirtschaft zu den wichtigsten Produzenten nachwachsender Rohstoffe für die Bioökonomie. Holz und Holzreste können zu wertvollen Rohstoffen der Bioökonomie werden. Anders als landwirtschaftliche Produkte stehen sie nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. Die Bewirtschaftung von Wäldern hat in Deutschland Tradition. Sie ist zu großen Teilen bereits ökonomisch etabliert. In der Summe hat der Cluster Forst und Holz im Jahr 2012 eine Bruttowertschöpfung von 55 Mrd. Euro erwirtschaftet und einen Umsatz von gut 180 Mrd. Euro erzielt. Etwa 1,1 Millionen Menschen sind im Cluster Forst und Holz in Deutschland beschäftigt. Deutschland hat mit 3,7 Mrd. m³ Gesamtvorrat den höchsten Holzvorrat in der Europäischen Union. Neben dem Beitrag zu Einkommen und Beschäftigung leistet die Nutzung dieser Vorräte einen positiven Beitrag zum Klimaschutz insbesondere durch die Herstellung langlebiger Holzprodukte, die Kaskadennutzung sowie den Ersatz nicht-nachwachsender Rohstoffe. Ein Ausbau der Bioökonomie trägt damit zur stärkeren Holznachfrage bei. Ertragssteigerungen lassen sich durch waldbauliche Maßnahmen, veränderte Umtriebszeiten, Züchtungen oder verbessertes Saatgut erzielen. Klimatische Änderungen verlangen jedoch Anpassungsprozesse, um Ertragseinbußen durch Schädlinge, Trockenheit oder häufigere Sturmereignisse zu minimieren. Hier gilt es, den Bestand anzupassen und unter anderem durch Pflanzenschutzkonzepte zu sichern. Holz- und Holzprodukte werden in Deutschland vor allem traditionell genutzt. Aus neuen Produkten oder Verwertungskonzepten könnte sich eine Steigerung der Wertschöpfung ergeben. Dafür kommen vor allem Holzbestandteile wie Fasern oder chemische Grundstoffe in Frage, die aus dem chemischen Aufschluss von Holz gewonnen werden. Beispiele dafür sind Nano- oder Kompositmaterialien, aber auch biotechnologisch und chemisch genutzte Zucker. Der Wald muss aber auch in der Kulturlandschaft anderen Ökosystemdienstleistungen wie Erholung, Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und Naturschutz erbracht. Viele dieser Ökosystemdienstleistungen sind bislang nicht ausreichend in Wert gesetzt worden. Hier müssen Zielkonflikte gelöst werden. Holz- und Forstprodukte werden international stark gehandelt. In ökonomisch weniger entwickelten Ländern spielen sie auch lokal eine wichtige Rolle, da sie speziell für einkommensschwächere Menschen die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Partizipation bieten. Politische Maßnahmen in Deutschland sind daher auch auf ihre internationalen Auswirkungen wie etwa indirekte Landnutzungsänderungen zu prüfen.

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Bolte, Andreas / Börner, Jan / Bräsicke, Nadine / et al: Perspektiven der Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland. 2016. Bioökonomierat.

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