Einfluss von Kleinkindermilch auf die Gesamtnährstoffzufuhr von Kleinkindern

Hollstein, U.

In Deutschland sind seit einigen Jahren spezielle Milchgetränke für Kinder ab einem bzw. ab zwei Jahren auf dem Markt. Die unter der Bezeichnung „Kindermilch" bzw. „Kleinkindermilch" vertriebenen Produkte werden mit Blick auf ihre spezielle Zusammensetzung beworben: Sie sind nach Herstellerangaben - im Gegensatz zu Kuhmilch - hinsichtlich ihrer Nährstoffzusammensetzung auf den Bedarf für Kleinkinder abgestimmt. Auch speziell angereicherte Kindermüsliprodukte sind auf dem Markt erhältlich. Da in Deutschland durchgeführte Verzehrerhebungen zeigen, dass bei gesunden Kleinkindern die Empfehlungen für die tägliche Zufuhr mit Energie und Nährstoffen im Median überwiegend erreicht bzw. sogar übertroffen werden, war das Ziel der vorliegenden Arbeit, den Effekt, den der Verzehr von Kindermilch anstelle von Kuhmilch auf die Nährstoffzufuhr von Kleinkindern hätte, zu untersuchen. Dazu wurden Daten aus der Verzehrstudie zur Ermittlung der Lebensmittelaufnahme von Säuglingen und Kleinkindern für die Abschätzung eines akuten Toxizitätsrisikos durch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (VELS-Studie) aus dem Jahre 2001/02 genutzt. Insgesamt wurden die Verzehrdaten von 340 Kleinkindern im Alter von 1 bis unter 3 Jahren neu ausgewertet und für die Durchführung von Modellrechnungen genutzt: Um abschätzen zu können, wie sich der Konsum von Kleinkindermilch anstelle von Kuhmilch bzw. Kindermüsli anstelle von Müsli im Rahmen der Gesamternährung auf die Energie- und Nährstoffzufuhr auswirken würde, wurden beispielhaft die Energie- und Nährstoffgehalte von einer auf dem Markt angebotenen Kleinkindermilch und einem Kindermüsli in die VELS-Lebensmittelschlüssel integriert und für drei verschiedene Verzehrszenarien die Energie- und Nährstoffzufuhr berechnet. Wie andere Verzehrerhebungen (DONALD, GRETA) zeigt auch die vorliegende Auswertung, dass die Referenzwerte der DGE von gesunden Kleinkindern über die übliche Ernährung (mit Kuhmilch) im Allgemeinen erreicht oder übertroffen werden. Nur bei Eisen, Jod, Vitamin D, Folsäure und Pantothensäure sowie in geringerem Maße bei Calcium lagen die Kinder unter den Empfehlungen. Durch den Ersatz von Kuhmilch durch adäquate Mengen an Kleinkindermilch würden diese Gesamtzufuhrwerte steigen; nur bei Calcium würde die Zufuhr sinken. Die bei üblicher Ernährung zum Teil deutlich erhöhten Zufuhrwerte von Natrium, Chlorid, Kalium, Phosphor, Magnesium sowie den Vitaminen B12, Biotin, und Niacin sowie Eiweiß würden durch den Einsatz von Kleinkindermilch zwar sinken, aber weiter über dem DGE-Referenzwert liegen. Bei Zink, Kupfer und Mangan sowie Riboflavin und Vitaminen B6 würden die ebenfalls erhöhten Zufuhrwerte durch Kindermilch anstelle von Kuhmilch dagegen sogar weiter steigen. Die im Referenzbereich liegenden Zufuhrwerte von Vitamin A, E, C sowie Thiamin würden steigen und die Empfehlung bereits deutlich überschreiten. Der Ersatz von Müsliprodukten durch Kindermüsli zusätzlich zur Kindermilch anstelle von Kuhmilch würde kaum zu zusätzlichen Unterschieden führen, was unter anderem auf die geringen Verzehrmengen zurückzuführen sein könnte. Der Verzehr von hohen Mengen Kleinkindermilch (480 ml pro Tag) anstelle von Kuhmilch würde dazu führen, dass bei sämtlichen Nährstoffen die Zufuhrwerte (deutlich) über den Referenzwerten liegen würden. Bei Zink und Kupfer würde sogar der von der EFSA definierte „Tolerable Upper Intake Level" (UL) bereits im Median überschritten. Auch bei Vitamin A kämen die - mit Kuhmilch optimal versorgten - Kinder in den UL-Bereich. Anhand der vorliegenden Modellrechnungen wird deutlich, dass der Ersatz von Kuhmilch durch Kleinkindermilch nicht dazu führen würde, die gewünschten Zufuhrwerte zu erreichen. Beim Verzehr der höchsten vom Hersteller angegebenen Verzehrmenge würden im Rahmen der Gesamternährung sogar alle Referenzwerte überschritten und teilweise sogar UL-Werte erreicht bzw. überschritten. Daraus ergibt sich, dass aus ernährungsphysiologischer und gesundheitlicher Sicht keine Notwendigkeit dafür besteht, Kleinkindern Kindermilch anstelle von Kuhmilch und Kindermüsli anstelle von Müsli zu geben

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Hollstein, U.: Einfluss von Kleinkindermilch auf die Gesamtnährstoffzufuhr von Kleinkindern. Friedrich-Schiller-Universität Jena 2012.

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