Epidemiologie, Diagnostik und Überwachung der Trichinellose Untersuchungen zum direkten und indirekten Nachweis von Trichinella-Arten beim Schwein

Nöckler, K.

Die Trichinellose des Menschen zählt zu den bedeutenden lebensmittelbedingten Zoonosen und unterliegt deshalb in den Mitgliedsländern der EU und in anderen Ländern Europas der amtlichen Überwachung. Faktoren, wie das Vorkommen von Trichinella im domestischen Zyklus beim Hausschwein und im silvatischen Zyklus bei Wildkarnivoren und -omnivoren, die regionale Verzehrsgewohnheiten und die Durchführung effizienter Kontrollmaßnahmen sind ausschlaggebend dafür, wie hoch das Risiko für den Verbraucher ist, an einer Trichinellose zu erkranken. Das Ziel der eigenen Untersuchungen bestand darin, die aktuelle Situation zur Trichinellose für Europa und speziell für Deutschland zu bewerten und Schlussfolgerungen für die zukünftige Überwachung abzuleiten. Zu diesem Zweck wurden experimentelle Studien und Felduntersuchungen zur Eignung und Aussagekraft von Methoden für den direkten und indirekten Nachweis einer Trichinella-Infektion beim Schwein durchgeführt. Die in Deutschland gemeldeten Trichinellose-Fälle beim Menschen sind zumeist auf den Import dieses Parasiten aus Ländern zurückzuführen, wo diese Zoonose noch ein Problem im domestischen Zyklus beim Schwein darstellt (z.B. Rumänien, Bulgarien, ehemalige Länder Jugoslawiens, Polen). Nach Auswertung der Daten ist die Inzidenz der Trichinellose bei Immigranten mit regelmäßigen Aufenthalten in Risikogebieten (0,3/100.000) im Vergleich zur Inzidenz in der Durchschnittsbevölkerung (0,01/100.000) signifikant höher. Daher sollten Rohprodukte, die aus Schweine- oder Wildschweinfleisch hergestellt wurden und aus Risikogebieten stammen, nicht verzehrt werden. Außerdem müssen die Ärzte über die Besonderheiten dieser Erkrankung gut informiert sein, um eine schnelle Diagnose und eine wirksame Therapie der Trichinellose gewährleisten zu können. Nach den Ergebnissen der amtlichen Fleischuntersuchung in Deutschland kommt T. spiralis im domestischen Zyklus beim Hausschwein nicht mehr vor. Jedoch können sich Schweine mit Freilandhaltung oral-alimentär über den Kadaver infizierter Wildtiere mit Trichinella spp. infizieren. Aus diesen Gründen ist für Deutschland ein risikobasierter Ansatz für die Trichinenuntersuchung beim Schwein gemäß der Verordnung (EG) Nr. 2075/005 denkbar. Das bedeutet, dass Schweine mit Freilandhaltung (einschließlich Zuchtschweine) weiterhin lückenlos einer Trichinenuntersuchung unterliegen, wogegen die Untersuchung von Mastschweinen aus geschlossener Haltung nicht erforderlich ist, sofern der Status des Bestandes durch ein Monitoring kontinuierlich überwacht wird. Die Ergebnisse regionaler Studien bei Wildtieren zeigen, dass neben Marderhunden (deren Population nimmt in Nordostdeutschland stetig zu) auch Füchse ein natürliches Reservoir für T. spiralis, T. pseudospiralis und T. britovi sind und für die Aufrechterhaltung des silvatischen Zyklus (Trichinella-Prävalenz bis zu 5% bzw. 0,2%) eine wichtige Rolle spielen. Deshalb wird ein systematisches Wildmonitoring zum Vorkommen von Trichinella spp. bei diesen Wildkarnivoren empfohlen, um die aktuelle epidemiologische Situation in Deutschland besser bewerten zu können. Da auch Wildschweine mit Trichinella spp. infiziert sein können (durchschnittliche Prävalenz 0,01%), sind erlegte Tiere ebenfalls lückenlos der Trichinenuntersuchung zuzuführen, um den Verbraucher zuverlässig zu schützen. Das Verfahren zum direkten Nachweis der Muskellarve wird vorrangig bei der Trichinenuntersuchung und für das Wildmonitoring eingesetzt. Wie die Ergebnisse verschiedener Studien verdeutlichen, muss eine Methode der künstlichen Verdauung (z.B. Magnetrührverfahren) verwendet werden, um alle relevanten Trichinella-Spezies (einschließlich T. pseudospiralis) in den Muskelproben mit der notwendigen Sensitivität nachweisen zu können. In weiteren Studien ist auch die Eignung einer real-time PCR zum Direktnachweis von Trichinella-DNA aus Muskelproben zu überprüfen. Weiterhin konnte anhand experimenteller Studien und Felduntersuchungen nachgewiesen werden, dass der ELISA auf Basis eines E/S-Antigens ein gut geeigneter indirekter Test ist, um Trichinella-Antikörper aus dem Blutserum oder Fleischsaft von infizierten Schweinen nachzuweisen. Wegen des diagnostischen Fensters zu Beginn der Infektion (Serokonversion frühestens 2-3 Wochen p.i.) kann jedoch der ELISA die Trichinenuntersuchung am einzelnen Schwein nicht ersetzen, sondern ist gut geeignet als Screeningtest für das serologische Monitoring auf Bestandsebene zur Kontrolle des Status „vernachlässigbares Risiko einer Trichinella-Infektion". Ein positives Ergebnis im ELISA ist mit einem hochspezifischen serologischen Test abzuklären. Als Bestätigungstest wird der Western Blot (WB) auf Basis eines gereinigten somatischen Antigens von T. spiralis empfohlen. Neben der dominanten 43 kDa Fraktion beinhaltet das Bandenmuster bis zu vier weitere Trichinella-spezifische Fraktionen (47, 61, 66, 102 kDa), mit denen die Abklärung von Trichinella-positiven Serum- oder Fleischsaftproben im WB möglich ist. In weiteren Studien sind ELISA und WB auf ihre Eignung und Aussagekraft für das serologische Monitoring zum Vorkommen von Trichinella spp. bei Wildschweinen, Füchsen und Marderhunden zu überprüfen.

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Nöckler, K.: Epidemiologie, Diagnostik und Überwachung der Trichinellose Untersuchungen zum direkten und indirekten Nachweis von Trichinella-Arten beim Schwein. Freien Universität Berlin/Fachbereich Veterinärmedizin 2011.

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