Auswirkungen der Ergebnisse der Uruguay-Runde des GATT auf den Zuckermarkt

Sommer, Ulrich GND

Die entscheidenden Bestimmungen für den EU-Zuckermarkt wurden in den Verhandlungen mit den USA erwirkt und sind im sog. Blair-House-Abkommen festgelegt. Das wichtigste Ergebnis dieser Verhandlungen dürfte die Tatsache sein, daß die EU bei der Berechnung des Importpreisniveaus für das Auslösen der Zusatzzölle in den AKP-Ländern gezahlten Preise, die grundsätzlich den EU-Interventionspreisen entsprechen, berücksichtigen konnte. Dadurch ergibt sich ein Auslöseniveau von 531 Handels-ECU/t (verglichen mit einem in die Berechnung des Zolläquivalents eingehenden cif-Preises von 195 Handels-ECU/t), das ermöglicht, schon bei Einfuhrpreisen von 477,9 Handels-ECU/t einen Schutzzoll zu erheben. Dies hat zur Folge, daß die EU, auch wenn die Weltmarktpreise auf das niedrige Niveau der Jahre 1986/88 von 195 Handels-ECU/to fallen sollten, erst im Jahr 2000/01 die Interventionspreise lediglich um ca. 1,6 % verringern muß, um die Gemeinschaftpräferenz aufrechtzuerhalten. Nicht angewendet werden dürfen die Zusatzzölle auf die Zuckerinzidenz von importierten Verarbeitungsprodukten. Das bedeutet, daß Zucker enthaltende Produkte aus Drittländern mit abnehmenden Weltmarktpreisen auf dem EU-Markt an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Welche Mengen importiert werden, hängt letztlich davon ab, in welchem Maße die Zucker verarbeitenden Industrie der EU die sonstigen Produktionskosten senken kann oder bereit ist, Gewinnmargen zu reduzieren, um den Kostenvorteil der Drittländer im Rohstoffbereich zu kompensieren. Auch wenn die Marktzugangsbedingungen nur in extremen Preissituationen eine Reduzierung des Interventionspreises erfordern, kann diese Notwendigkeit als Folge der auferlegten Exportrestriktionen eintreten, wenn es der EU nicht gelingt, bei fallen Weltmarktpreisen den Binnenmarktabsatz zu erhöhen oder wenn sie die Produktion nicht einschränkt.

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Sommer, Ulrich: Auswirkungen der Ergebnisse der Uruguay-Runde des GATT auf den Zuckermarkt. 1994.

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