Die "künstliche Sau" in Mariensee - eine forschungstechnische Anlage - für immunologische Studien an Ferkeln

Klobasa, Franc

Bereits 1967 wurde in Mariensee eine automatische, elektronisch gesteuerte Fütterungsanlage für neugeborene Ferkel eingerichtet. Dieses Modell wurde im Laufe der Jahre weiterentwickelt und 1990 aufgrund der gesammelten Erfahrungen neu für die künstliche Aufzucht von Ferkeln konzipiert. Unter künstlicher Aufzucht ist dabei die Aufzucht von Jungtieren zu verstehen, die unmittelbar nach der Geburt von der Mutter getrennt und mit heterologen Immunglobulinen massiv immunisiert werden. Diese automatische Fütterungsanlage erlaubt individuelle und kontrollierte Fütterung jedes einzelnen Tieres mit einem flüssigen Medium. Dabei soll das Saugen sofort nach der Geburt auf jeden Fall vermieden werden, da so die Ferkel viel schneller lernen, aus dem Trog zu trinken. Über 70 % der Neugeborenen nehmen bei der ersten, die restlichen spätestens bei der dritten Fütterung das Kolostrum auf diese Art auf. Ferkel, die bereits einmal gesaugt hatten, brauchen dagegen bis zu 24 Stunden, um das Trinken aus den Trögen zu lernen. Ein Vergleich der Aufzuchtergebnisse aus der künstlichen Aufzucht - 504 Ferkel aus 49 Würfen - mit den erreichten Ergebnissen bei natürlicher Aufzucht - 1219 Ferkel aus 118 Würfen - ergab Aufzuchtverluste von 6,2 % zu 11 % zugunsten der "künstlichen Sau". Insbesondere bei Ferkeln mit Geburtsgewichten von unter 1000 g ist die Verlustrate bei natürlicher Aufzucht sehr hoch (36 % : 8 %), wobei sehr viele erdrückt wurden. Dagegen konnte in der "künstlichen Sau" selbst ein Ferkel mit einem Geburtsgewicht von 350 g erfolgreich aufgezogen werden. Aufgrund von Versuchen mit Ad-libitum-Fütterung bei gleichzeitig exakter Feststellung der Aufnahmemengen sowie Versuchen mit unterschiedlichen Fütterungsintervallen und Portionsgrößen hat sich eine neunmalige Fütterung in 2-Stunden-Intervallen mit Portionsgrößen von 45 ml je kg Geburtsgewicht als besonders günstig erwiesen.

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Klobasa, Franc: Die "künstliche Sau" in Mariensee - eine forschungstechnische Anlage - für immunologische Studien an Ferkeln. 1995.

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