Einfluss von Witterung und forstlichen Schadereignissen auf die Ergebnisse der Waldzustandserhebung in Thüringen
Die Waldzustandserhebung (WZE) ist eine stichprobenbasierte Übersichtserhebung, mit der jedes Jahr der Zustand der Wälder in Deutschland erfasst wird. Als wichtigster Indikator gilt dabei die Kronenverlichtung von Waldbäumen. In Thüringen wird die WZE seit dem Jahr 1991 auf einem systematischen 4 × 4 km-Stichprobenraster durchgeführt. Der Waldzustand wird durch unterschiedliche abiotische und biotische Faktoren beeinflusst, die sich in einem komplexen Beziehungsgeflecht gegenseitig bedingen. Klima und Witterung spielen dabei eine bedeutende Rolle und hier vor allem die Niederschläge und Temperaturen während der forstlichen Vegetationsperiode (April – Oktober). Während die Vegetationsperioden in den 1990er Jahren vergleichsweise kühl waren, zeigt sich der mit dem Klimawandel einhergehende Temperaturanstieg in den vergangenen Jahren immer deutlicher. Hingegen hat die Niederschlagsmenge während der Vegetationsperiode seit dem Jahr 1991 abgenommen und außergewöhnlich trockene und gleichzeitig warme Vegetationsperioden traten ab 2018 gehäuft auf. Diese Veränderungen sind in den Ergebnissen der WZE deutlich zu erkennen. Die mittlere Kronenverlichtung hat in den Jahren nach 2017 kontinuierlich zugenommen und lag in Thüringen im Jahr 2023 mit 32,8 % so hoch wie bei keiner Erhebung zuvor. Im gleichen Zeitraum sind auch immer mehr Bäume in den Wäldern Thüringens abgestorben oder wurden aufgrund von Befall durch forstliche Schaderreger entnommen. Blatt- und nadelfressende Insekten, holz- und rindenbrütende Käfer sowie wurzel-, nadel- und blätterbesiedelnde Pilze üben ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf die Vitalität und den Zustand von Waldbäumen und Waldbeständen aus. Von zunehmender Wärme und Trockenheit profitieren vor allem die Borkenkäfer-Arten.
In Thuringia the condition of forests is assessed annually via the terrestrial Forest Condition Survey (Waldzustandserhebung). In this survey the most important indicator for forest health is the crown defoliation of forest trees. The Forest Condition Survey is conducted annually on a systematic 4 × 4 km sampling grid. The first survey was conducted in 1991. Forest condition is influenced by various abiotic and biotic factors, which are interrelated and interact in complex ways. Climate and weather conditions play a particularly important role, especially the precipitation and temperature regimes during the vegetation period (April – October). While temperatures have been below average during the 1990s in Thuringia (reference period 1991–2020), they increased substantially in recent years. At the same time precipitation decreased significantly during the vegetation period, leading to an increased frequency of dry and hot weather conditions. These changes in weather conditions are clearly visible in the estimates of the Forest Condition Survey. Mean defoliation increased continuously after 2017 and reached its maximum of 32,8% in the year 2023. At the same time large-scale forest dieback occurred in many parts of Thuringia. Pests and pathogens also have large impacts on forest condition. Many of them profit from changing climate conditions (e.g., increase in temperature, extended vegetation period), leading to large-scale pest outbreaks and forest dieback in Thuringia. Especially Norway spruce was affected by these changing conditions.
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