Der Beitrag der Holzverwendung zum Klimaschutz

GND
1018931449
ORCID
0009-0000-1036-6987
VIAF
222802078
Affiliation
Thünen-Institut für Holzforschung
Rüter, Sebastian

Die für die Treibhausgas (THG)-Bilanz des Forst- und Holzsektors relevanten drei Wirkmechanismen umfassen zeitlich und räumlich voneinander abweichende Dimensionen, weshalb sie mit verschie­denen Berechnungsmethoden auf unterschiedlichen Skalenebenen mit unterschiedlichen System­grenzen (Land- bzw. Produktsystem) erfasst werden. Während die Emissionen von Produkten-systemen mit der international standardisierten Methode der Ökobilanzierung ermittelt werden, spielt diese Methode bei der Abschätzung von Effekten der Holzverwendung auf den biogenen Kohlenstoffzyklus und die damit verbundene Senken- und Speicherfunktion des Sektors keine Rolle. Letztere werden mit Methoden ermittelt, die der Weltklimarat (IPCC) zur Abschätzung der nationalen THG-Bilanz von Ländern bereitstellt.

Die Debatte um die Möglichkeiten und Grenzen des Klimaschutzbeitrags von Forst- und Holz dreht sich vor allem auch um die Frage nach dem „richtigen" Maß der Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes; dabei werden gesellschaftliche Zielkonflikte offenbar: Klima- und Biodiversitätsschutz auf der einen Seite, auf der anderen Seite all die gesellschaftlichen Anforderungen, die vor allem mit der Nutzung und Verarbeitung von Rohstoffen zu Energieträgern und Konsumgütern befriedigt werden, worauf ein Großteil der Wertschöpfung des globalen Wirtschaftssystems basiert. Gerade beim Wald als Bestandteil des biogenen Kohlenstoffzyklus und der Nutzung seines nachwachsenden Rohstoffes Holz zeigt sich diese gesellschaftliche Ambivalenz sehr deutlich. Auf der einen Seite soll die Speicher-und Senkenfunktion des Waldes fortlaufend vergrößert werden; zugleich kann mit der Verwendung des heimisch verfügbaren Rohstoffes Holz z.B. dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden, während seine industrielle Verarbeitung ebenfalls mit THG-Emissionen verbunden ist. Allzu oft wird der Fokus in dieser Debatte je nach Interessenslage selektiv auf einzelne Systemelemente gelegt —während eine faktenbasierte Berechnung aller für den Sektor relevanten THG-Effekte das gesell­schaftliche Dilemma zwischen einem für das Erdsystem global zu großen Verbrauch von Ressourcen sowie deren Weiterverarbeitung zu Konsumgütern und tatsächlich wirksamem Klimaschutz schonungslos offenlegen kann.

Die große Herausforderung besteht nun also unter anderem darin, die verschiedenen etablierten Methoden und Datenquellen zur Berechnung der relevanten Wirkmechanismen des Forst- und Holzsektors konsistent miteinander zu kombinieren, um den möglichen Klimaschutzbeitrag der Holzverwendung überhaupt fundiert und belastbar abzuschätzen zu können. Nur so lassen sich plausible Aussagen zum Beitrag der Holzverwendung zum Klimaschutz treffen. Dies ist die Grund­voraussetzung für die Identifizierung wirksamer, gesellschaftlich akzeptierbarer und letztlich auch umsetzbarer Klimaschutzmaßnahmen, die die gesellschaftlich anvisierte Transformation zur Klima­neutralität überhaupt erst gelingen lassen kann. Und hierbei kann die Verwendung des heimisch verfügbaren und nachwachsenden Rohstoffs Holz eine zentrale Rolle spielen.

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