Entwicklung einer Skala zur Belastungserkennung von Hühnern
Die Erkennung von Leidenszuständen bei Tieren stellt Tierärztinnen, Wissenschaftlerinnen sowie Tierhalterinnen vor Herausforderungen. Insbesondere Beutetiere, wie z.B. Hühner versuchen so lange wie möglich, Anzeichen für eine Beeinträchtigung zu verstecken. Für die Schmerzbeurteilung bei non verbalen Menschen, wie z.B. Säuglingen und verschiedenen Säugetierarten sind sogenannte Facial expression Scores entwickelt und validiert worden. Für Hühner sind diese Systeme nicht anwendbar, da sich die Gesichtsmuskulatur von Vögeln und Säugetieren wesentlich unterscheidet. In der Literatur wird jedoch häufig ein „sick bird look“ beschrieben.
Ziel dieser Studie war, es in einer Literaturrecherche diejenigen Körpersignale bei den Hühnern zu identifizieren, die mit dem „sick bird look“ in Verbindung stehen. Anschließend wollten wir eine Skala entwickeln, mit der anhand von Körpersignalen, Hühner mit Schmerzen oder Stress identifiziert werden können. Die Anwendbarkeit der Skala sollte getestet werden.
In der Veterinärmedizinischen Literatur und wissenschaftlichen Artikeln konnten sieben Körpersignale identifiziert werden, die mit einer Beeinträchtigung von Hühnern in Verbindung stehen: Position von Hals und Stoß, Haltung von Ständern und Flügeln, Öffnung der Augen und des Schabels, sowie Zustand des Gefieders (Aufplustern).
Für die Praktikabilitätsprüfung wurden Videoaufnahmen von Hobby Hühnern verschiedener Rassen gemacht, die zu einem Impftermin in die Nutztierklinik, Abteilung Geflügel der FU Berlin gekommen sind. Die Hühner wurden vor der Untersuchung und Impfung (ungestresst) und nach Behandlung (gestresst) gefilmt. Aus diesen Videoclips wurden Screenshots (N=80) gemacht, auf denen Hühner in seitlicher Position zu sehen sind, die eine oder mehrere der Körpersignale in gestresster Ausprägung zeigten.
Studierende der Veterinärmedizin in der klinischen Rotation (N=20) erhielten eine 20 min Einweisung in die Anwendung der Skala und wurden gebeten, je ein Set von 20 Bildern in Bezug auf die Körpersignale zu bewerten. Die Übereinstimmung (interobserver reliability) für die einzelnen Signale variierte von κ = 0.31 ausreichende Übereinstimmung) für den Öffnungsgrad der Augen bis
κ = 0.78 (beachtliche Übereinstimmung) für die Schnabelöffnung.
Identifizierten die Studierenden auf einem Screenshot vier oder mehr Körpersignale in der „gestressten“ Ausprägung, wurde das Huhn als allgemein beeinträchtigt eingestuft.
Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung schließen wir, dass die Anwendung der Skala leicht zu erlernen ist, die Körpersignale in der Skala gut erkennbar sind. In einer weiteren Studie soll die Skala in Hinblick darauf validiert werden, mit welcher Sensitivität und Spezifität beeinträchtigte Hühner erkannt werden können.
Cite
Access Statistic

Rights
Use and reproduction:
All rights reserved

