Der IUFRO-Fichtenherkunftsversuch von 1964/68 - Eine erste abschließende Auswertung der deutschen Flächen nach Herkunftsgruppen

Liepe, Katharina J.; Mittelberg, Hannah S.; Liesebach, Mirko GND

Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall - das bestehende Waldbild ändert sich gerade gravierend. Insbesondere die Fichte wird aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber diesen Kalamitäten als Verlierer im Klimawandel gehandelt. Aus ökonomischer Sicht ist sie jedoch schwer durch andere Baumarten zu ersetzen. Ihre gute Holzqualität sowie der zuverlässige und schnelle Zuwachs lassen sie beim Anbau auf ihren ökologischen Ansprüchen angemessenen Standorten voraussichtlich auch zukünftig eine wichtige waldbauliche Rolle spielen. Umso mehr gilt es bei der Wahl des Pflanzenmaterials ein genaues Augenmerk auf das genetische Potential der Herkünfte hinsichtlich ihrer Produktivität, aber auch der ihrer Lebensfähigkeit unter zu erwartenden Klimabedingungen zu legen. Der IUFRO-Fichtenherkunftsversuch von 1964/68 ist eine der größten Versuchsserien, die unsere Vorgänger angelegt haben. 1.100 Saatgutquellen, aufgeteilt in 11 Kohorten zu je 100 Stück, wurden in 21 Experimenten in 13 Ländern ausgebracht. Drei davon liegen in Deutschland. Überleben und Wachstumwurden somit in gleichmäßigen Abständen auf 33 Einzelflächen erhoben. Zwischen den Merkmalen Brusthöhendurchmesse (BHD) und Höhe bzw. 8 Altersstufen besteht eine starke Korrelation, welche die Frühselektion als adäquates Bewertungsverfahren bei der Fichte bestätigt. Auf einer undurchforsteten Fläche lag diese bei maximalem Altersunterschied von Höhe mit 7 Jahren zu BHD mit 51 Jahren immer noch bei r = 0,76. Herkünfte aus der herzynisch-karpatischen Rückwanderungslinie zeichnen sich durch geringe Mortalität sowie kurzfristig überlegenes und langfristig positives Wachstum aus. Eine aktive Einbringung von Herkünften aus Karpaten und Beskiden ist bei der Bestandesbegründung in Erwägung zu ziehen.

Storms, drought, bark beetle attacks– the face of our forests is changing drastically. Especially, Norway spruce is a designated loser with climate change due to its vulnerability to such calamities. From an economic point of view, it is however hard to sacrifice this species in favor of other alternatives. Due to an excellent wood quality, paired with a reliable and fast growth increment, it will likely proceed to play an important role on remaining sites appropriate to its ecological requirements. Reproductive material for reforestation should therefore be selected for its genetic potential towards productivity but likewise ability to survive under future climate. The IUFRO-Norway spruce provenance trial 1964/68 is one of the largest trial series that have been established in the past. 1.100 seed sources, separated into 11 blocks of 100 each, were planted in 21 Experiments across 13 countries. Three of them are located in Germany. On a total of 33 individual sites survival and growth were assessed in recurring intervals. A strong correlation between the growth parameters height and diameter at breast height (DBH) was observed across eight age classes, supporting the sensitivity of early selection in Norway spruce. On a completely unthinned site the correlation coefficient was strong, even between earliest height at age 7 and latest DBH measurement at age 51 with r=0,76. Provenances originating from the hercyno-carpathian domain do have superior short term and positive long-term growth. Assisted migration of these seed sources from the Carpathians and Beskids should be considered for future forest plantations.

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Liepe, Katharina / Mittelberg, Hannah / Liesebach, Mirko: Der IUFRO-Fichtenherkunftsversuch von 1964/68 - Eine erste abschließende Auswertung der deutschen Flächen nach Herkunftsgruppen. 2020.

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