Selektivität von Herbiziden im Russischen Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz L. Rodin)

Eggert, Marie GND; Thiele, Katja GND

Russischer Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz; Tks) gehört zur Familie der Asteraceae und zu den wenigen latexproduzierenden Pflanzen, deren Anbau zur Kautschukgewinnung von wirtschaftlichem Interesse ist. Bereits vor und während des 2. Weltkrieges wurde Kautschuk aus der Löwenzahnwurzel zur Herstellung von Autoreifen verwendet und mehrere tausend Hektar Anbaufläche in der ehemaligen UdSSR, Schweden, Kanada, USA und auch Deutschland bewirtschaftet. Nach Kriegsende verloren alternative Kautschuklieferanten an strategischer Bedeutung und die praktischen Arbeiten sowie die Anbauforschung zum Russischen Löwenzahn wurden eingestellt. Aus einer Vielzahl von Gründen interessieren sich seit Mitte der 2000er Jahre internationale Reifenfirmen wieder für die Gewinnung von Kautschuk aus alternativen Pflanzen zum Kautschukbaum (Hevea brasiliensis). Für den wirtschaftlichen Anbau des Russischen Löwenzahns als kultivierte Wildpflanze in ackerbaulichen Betrieben ist die erfolgreiche Unkrautbekämpfung eine der größten Herausforderungen. Es gibt nur sehr wenige praktische Erfahrungen zum Herbizideinsatz im Löwenzahn als Drillkultur. Zugelassene Herbizide für den Anbau von Tks existieren nicht. Darüber hinaus weist die Art im Gegensatz zu heimischen Taraxacum-Arten eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber der vorhandenen Ackerbeiflora auf. In der Klimakammer wurden in mehreren Versuchen verschiedene Herbizide in der frühen Entwicklungsphase der Pflanzen (BBCH 10, BBCH 12- 14) in unterschiedlichen Aufwandmengen getestet. Zur Beurteilung des Herbizidschadens wurden die Ausdünnung sowie die Wuchsdepression 14 Tage nach der Herbizidanwendung ermittelt. Auf der Grundlage der gewonnenen Ergebnisse aus dem Screening geeignete Herbizidstrategien für den Praxisanbau abzuleiten gestaltet sich schwierig. Wenige Wirkstoffe zeigen sich, wenn überhaupt, nur in stark reduzierten Aufwandmengen als verträglich, so dass keine ausreichende Unkrautbekämpfung im Feld zu erwarten ist bzw. durch die Schädigung der Kultur hohe Ertragsverluste in Kauf zu nehmen sind. In der Konsequenz muss in der Praxis vermehrt auf mechanische Unkrautbekämpfungsmaßnahmen zurückgegriffen werden, um eine ausreichende Unkrautbekämpfung im Russischen Löwenzahn zu erzielen.

Russian dandelion (Taraxacum koksaghyz; Tks) belongs to the plant family of asteraceae and to the few latexproducing plants whose cultivation is of economical interest. Already before and during WWII rubber was extracted from dandelion roots and used for tire production from a few thousand hectares of cultivation area in the former UdSSR, Sweden, Canada, United States and Germany. After WWII natural rubber lost its immense strategic significance. Commercial cultivation and field research concerning Tks were stopped until the middle of the 2000 decade, where global players in tire business started to re-discover alternative rubber plants aside from the rubber tree (Hevea brasiliensis). For successful large-scale cultivation of Russian dandelion on farms, regulation of weeds is the biggest challenge. In opposition to the native Taraxacum species, Tks shows little competitive ability towards the local weeds. In a series of climate chamber experiments several herbicides where tested during cotyledon stage (BBCH 10) and 2-to-4-leaves stage (BBCH 12-14) in different dosages. Plant damage caused by herbicides was evaluated by plant losses and loss in biomass 14 days after application. It is challenging to conclude practical herbicide strategies from the gained results. Tks tolerated very few herbicides and only in strongly reduced application rates, hence a sufficient regulation of weeds in the field is not expected or high yield losses are to be expected by plant damage. Consequently, practical cultivation of Russian dandelion needs the support of mechanical measures of weed control.

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Eggert, Marie / Thiele, Katja: Selektivität von Herbiziden im Russischen Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz L. Rodin). 2020. Julius Kühn-Institut.

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