Radioaktive Abfälle im Nordatlantik : radioactive waste in the North-East Atlantic Ocean

Aust, Marc-Oliver GND; Herrmann, Jürgen; trobl, Christopher

Der vorliegende Bericht gibt einen historischen Überblick über die Entsorgung schwach radioaktiver Abfälle (d.h.Abfälle, die einen niedrigen Gehalt an radioaktiven Stoffen aufweisen und daher beiHandhabung oder Transport keiner speziellen Abschirmung bedürfen) imNordostatlantik; und Aufschluss darüber, ob die damalige Entsorgung schwach radioaktiver Abfälle in derTiefsee die Gesundheit des Menschen oder die Meeresumwelt schädigen kann. Wenige Jahre nachdem einige europäische Länder in den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter staatlicher Überwachung mit der Entsorgung schwach radioaktiver Stoffe im Meer begonnen hatten, wurde ein international kontrolliertes Verfahren unter der Schirmherrschaft der Kernenergie-Agentur (NEA, Nuclear Energy Agency) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, Organisation for Economic Cooperation and Development) eingeführt. Im Jahr 1967 fand ein Test-Versenkungsverfahren unter Aufsicht der NEA statt. Damals galt es als bedeutender Fortschritt, dass für Abfallbehälter, die für den sicheren Umgang und Transport von verschiedenen Arten von radioaktivem Abfall bestimmt waren, Vorschriften erlassen wurden. Nach eingehenden wissenschaftlichen Untersuchungen wurde ein Gebiet in der äußeren Biskaya in annähernd 4000 m Tiefe zum Hauptversenkungsgebiet bestimmt, weil dieses sowohl wissenschaftlich als auch ökonomisch für die sichere Entsorgung von radioaktivem Abfall geeignet erschien. Diesen in großer Tiefe abzulagern hielt man für einen bedeutenden Fortschritt gegenüber der vorherigen Praxis, die in manchen Fällen dazu geführt hatte, dass Abfälle in Flachwassergebieten des Europäischen Kontinentalschelfs, d.h. in Wassertiefen geringer als 200 m, entsorgt wurden. Die Auslegung der Behälter zielte zu keinem Zeitpunkt darauf ab, ein Entweichen von Radionukliden in die Umgebung dauerhaft zu verhindern, vielmehr war eine allmähliche Freisetzung nach einer Verweilzeit von einigen Jahren im Sinne des Zerfalls kurzlebiger Bestandteile durchaus Teil des Konzepts. Nachdem der Regelungsrahmen für die Versenkungsmaßnahmen gegeben war, entsorgten einige europäische Länder beträchtliche Mengen schwach radioaktiver Abfälle an diesen und anderen Tiefseegebieten über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren. Insgesamt wurden etwa 42 PBq1 radioaktiver Stoffe im Nordostatlantik entsorgt. Die genaue Isotopenzusammensetzung der Abfälle wurde nicht dokumentiert, weil dies damals für zu aufwändig gehalten wurde; stattdessen wurden die Mengen abgeschätzt oder aus Massenbilanzen errechnet. Es wird jedoch angenommen, dass Tritium (3H), welches als radiologisch unbedeutendes Radionuklid gilt, mit 33 % den höchsten Anteil an dem Abfall hat. Außer Tritium waren Beta- und Gammastrahler mit physikalischen Halbwertszeiten von einigen Jahren bis zu einigen Jahrzehnten Hauptbestandteile. Alphastrahlern wurde ein Anteil von etwa 2 % des Abfalls zugesprochen...

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Aust, Marc-Oliver / Herrmann, Jürgen / trobl, Christopher: Radioaktive Abfälle im Nordatlantik : radioactive waste in the North-East Atlantic Ocean. Salzgitter 2019. BfS.

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