Fachgutachten zum Raumordnungsverfahren - "Natürlich. Schierke Wander- und Skigebiet"

Bolte, Andreas GND; Fischer, Hagen; Kroiher, Franz GND; Michler, Barbara GND; Tiemeyer, Bärbel GND

Für den Bereich des Winterberges bei Schierke (Harz) existieren Planungen eines Wander- und Skigebietes inkl. Seilbahn. Im Rahmen der Vorbereitung des Raumordnungsverfahrens wurde ein Fachgutachten in Auftrag gegeben, da zwei bereits vorliegende Gutachten zu widersprechenden Bewertungen und Einschätzungen bezüglich der Betroffenheit von FFH-Lebensraumtypen gekommen sind. Dieses Working-Paper publiziert dieses dritte Fachgutachten, das zum Ziel hatte, (1) eine eindeutige Definition des FFH-Lebensraumtyps Moorwald (LRT 91D0*) zur Abgrenzung zu Fichtenwäldern (LRT 9410) zu entwickeln, (2) anhand dieser Definition die vorkommenden LRT im Vorhabengebiet zu kartieren sowie (3) die vorliegenden Vorhabenplanungen in ihrer Eingriffsintensität naturschutzfachlich zu bewerten und Empfehlungen für weitere Planungen zu geben. Für die Abgrenzung der beiden Lebensraumtypen im Vorhabengebiet wurde die Kartieranleitung der FFH-Lebensraumtypen (LRT) des Landes Sachsen-Anhalt zu Torfvorkommen und Torfqualität geschärft und konkretisiert (Torfhorizonte ≥ 30 cm oder <30 cm mit gering bis mäßig zersetztem Torf). Dadurch konnten besonders schützenswerte Fichtenmoorwälder kleinräumig und flächenscharf kartiert sowie deren Beeinträchtigung flächig bilanziert werden. Die erweiterte Methode widerspricht nicht der flächendeckenden Kartieranleitung in Sachsen-Anhalt. Sie ermöglicht aber in Einzelfällen räumlich feinere Ausscheidungen von Fichtenmoorwäldern. Die vorgestellte Feinkartierung der Lebensraumtypen im Vorhabengebiet schafft neue Möglichkeiten für die Vorhabenplanung im topographisch „oberen“ und „unteren“ Vorhabengebiet. Im unteren Vorhabengebiet ist eine naturschutzfachlich konfliktfreie Trassenführung des Vorhabens nicht möglich, da im Bereich der geplanten Mittelstation ein durchgehender Moorwaldkorridor (LRT 91D0*) besteht. Im oberen Vorhabengebiet, der innerhalb des FFH-Gebiets Hochharz liegt, kann aber die direkte Überschneidungsfläche der Trassenführung mit besonders schützenwerten Fichtenmoorwaldbereichen auf 50 bis 400 m² vermindert werden. Dabei sind aber mögliche indirekte Beeinträchtigungen auf die Restfläche teilweise überschnittener Moorflächen nicht berücksichtigt. Im unteren Vorhabengebiet können weitere Trassenvarianten die Überschneidung weiter potenziell vermindern. Bei einer Verlegung der Mittelstation aus dem Moorwaldbereich heraus könnte die Überschneidungsfläche nahezu rechnerisch halbiert werden.

The “Winterberg” near Schierke (Harz Mountains, Saxony-Anhalt, Germany) is a hiking and skiing area with a gondola lift planned. An expert report was commissioned to prepare the regional planning procedure, as two previous reports reached conflicting conclusions regarding the impact of the planned infrastructure on the habitat types according to the EU Habitats Directive. This “working paper” publishes the third expert report which aimed at (1) unambiguous definitions to differentiate between bog woodland (priority habitat type 91D0*) and acidophilous Picea forests of the montane to alpine levels (habitat type 9410), (2) applying these definitions to map these habitats within the study area, and (3) evaluate the intensity of impact of the present ski-slope and lift routing alternatives with regards to nature conservation as well as developing recommendations for future planning. To differentiate between the two habitat types within the study area we amended the mapping manual for habitat types according to the EU Habitats Directive of the Federal State Saxony-Anhalt by the criteria occurrence of peat and peat quality, i.e. a peat horizon ≥ 30 cm or < 30 cm with weakly decomposed (fibric) peat. Using these criteria we could map Picea bog woodland which deserves specific protection spatially explicitly and quantify the impact of the planned infrastructure. The methods do not contradict the comprehensive mapping manual of Saxony-Anhalt. However, the criteria allow in specific cases a more detailed differentiation of Picea bog woodland. Detailed mapping of the habitat types in the study area enable an evaluation of the infrastructure layout and offer new possibilities in the topographically “upper” and “lower” part of the study area. In the lower area, all routing alternatives are in conflict with nature conservation as there is a continuous corridor of bog woodland (habitat type 91D0*) within the range of the projected half-way station. The upper part of the study area, which is located in the “Hochharz” reserve, is protected under the Habitats Directive, the direct intersection of bog woodland with the routing could e reduced to 50 to 400 m². However, an indirect impact on partially intersected bog are as was not yet considered. In the lower part of the study area, future alternatives could possibly reduce the impact on the bog woodland. If the half-way station of the lift was relocated out of the bog woodland, the intersection area could theoretically be reduced by 50 %.

Vorschau

Zitieren

Zitierform:

Bolte, Andreas / Fischer, Hagen / Kroiher, Franz / et al: Fachgutachten zum Raumordnungsverfahren - "Natürlich. Schierke Wander- und Skigebiet". Braunschweig 2018. Johann Heinrich von Thünen-Institut.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:

Export