Die Forschung auf der Insel Riems von 1933 bis 1945 unter besonderer Berücksichtigung der NS-Zwangsarbeiter

Lichte, Jan Ulrich

Gegenstand der vorliegenden Dissertation ist die Forschung auf der Insel Riems, einem der auch heutzutage wichtigsten Forschungsstandorte für Tierkrankheiten, von 1933 bis 1945 unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes der NS-Zwangsarbeiter. Es wird die durch die geografische Lage, die Forschungsschwerpunkte sowie die innerbetriebliche Struktur besondere Situation der Anstalt verdeutlicht, die eng mit Leben und Werk der leitenden Wissenschaftler verknüpft ist. Neben der Darstellung der Forschung und des Zwangsarbeitereinsatzes zeigt die vorliegende Arbeit das konstante Ringen der jeweiligen Direktoren seit Gründung der Forschungsanstalt mit den verantwortlichen Behörden, um durch eine bestmögliche materielle und personelle Ausstattung des Instituts die Forschungsarbeiten vorantreiben und die Ziele weitestgehend erreichen zu können. Ein Erinnerungsbericht eines ehemaligen Italienischen Militärinternierten eröffnete die Möglichkeit, auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter auf dem Riems näher zu untersuchen. Aus den untersuchten Archivquellen und der Literaturbasis wurden die Verknüpfungen zwischen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zwängen, zwischen den Machtstrukturen des nationalsozialistischen Regimes und der Leitung des Institutes und letztlich zwischen den Betriebsangehörigen und den Zwangsarbeitern analysiert. Hieraus ergibt sich ein differenziertes Bild der Forschung und des Zwangsarbeitereinsatzes auf der Insel Riems, das auch die Hintergründe ausführlich beleuchtet. Es wird in dieser Arbeit deutlich, inwieweit in dem geschichtlichen Umfeld der Zeit von 1933 bis 1945 medizinische Forschung durch hohes Engagement der führenden Persönlichkeit, durch Integration und Kollaboration mit dem NS-Regime sowie dem Einsatz von Zwangsarbeitern hat überleben können. Diese medizinisch-historische Untersuchung definiert einen wesentlichen Teil der Basis, auf der die aktuelle Forschung beruht.

The Research Institute on the island of Riems in the Baltic Sea was founded by Friedrich Loeffler in 1910 in order to continue his work on the foot-and-mouth-disease (FMD). His experiments in the city of Greifswald had been forbidden due to outbreaks of FMD in neighbouring stables. Loeffler left 1913 to head the Robert-Koch-Institute in Berlin. Veterinarian Otto Waldmann took over the leadership on Riems in 1919. He continued Loeffler’s research on FMD and worked on improving the vaccine against FMD. 1938 Waldmann finally developed an active FMD vaccine. In all respects work in the Riems Research Institute depended largely on the commitment of the leading scientists. Especially the time during World War II required hard efforts to keep research work going. The main problem was a shortage of man power, as most of the staff was drafted. This work shows the institute‘s development from 1933 to 1945, depicting the major research topics. Furthermore, the use of forced labour and its conditions are examined. Sources from various archives and literature highlight Otto Waldmann’s efforts in leading the Institute, caught between scientific goals, economic necessities and ideological guidelines. This thesis also explores the national socialist government’s attempts on influencing the Research Institute.

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Lichte, Jan Ulrich: Die Forschung auf der Insel Riems von 1933 bis 1945 unter besonderer Berücksichtigung der NS-Zwangsarbeiter. Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Medizinische Fakultät, Institut für Geschichte der Medizin 2011.

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