Die Tuberkulose des Rindes – überraschend wieder oder immer noch präsent?

Moser, Irmgard GND; Köhler, Heike GND; Menge, Christian GND

Die Tuberkulose des Rindes, hervorgerufen durch Mycobacterium (M.) bovis/M. caprae, ist weltweit eine der wichtigsten Rinderkrankheiten mit zoonotischem Potenzial und war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein auch in Deutschland weit verbreitet. Durch effektive Bekämpfungsmaßnahmen in Deutschland, Ost wie West, wurde die Seuche in den Rinderbeständen nahezu getilgt, sodass Deutschland seit Ende 1961 (West) bzw. Ende 1978 (Ost) als praktisch tuberkulosefrei gelten konnte. Durch Zuerkennung des Status „officially free of tuberculosis“ (OTF) im Jahr 1996 wurde Deutschland nach der Vereinigung die Freiheit von Rindertuberkulose durch die Europäische Kommission offiziell bestätigt. Die Voraussetzung hierfür war, dass jährlich bei weniger als 0,1% der Rinderhaltungsbetriebe in Deutschland Tuberkulose festgestellt wurde. Dieser Status konnte bisher ohne Unterbrechung aufrechterhalten werden, sodass die Rindertuberkulose für viele Jahrzehnte aus dem Blickfeld der Tierärzte, der Landwirte und der Öffentlichkeit verschwand. Seit dem Jahr 2008 steigt die Zahl der angezeigten Ausbrüche, die über viele Jahre bei einer Gesamtzahl von etwa 200000 Rinderhaltungsbetrieben (mit abnehmender Tendenz) bei durchschnittlich unter 10 Ausbrüchen pro Jahr lag, deutlich an. Aufgrund verstärkter Überwachungsintensität waren im Jahr 2013 sogar 46 Ausbrüche zu verzeichnen, wobei diese besonders häufig die Bundesländer Bayern und Niedersachsen betrafen. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass die Tuberkulose-Verordnung in den Jahren 2009, 2012 und 2013 überarbeitet wurde, um die Grundlage zu legen für eine nun notwendig erachtete Veränderung der Tuberkulose-Überwachung und, regional, sogar der Bekämpfung der Tuberkulose. Neben den traditionell angewandten Untersuchungs- und Nachweismethoden, dem Tuberkulin-Hauttest (ante mortem) und dem bakteriologischen Nachweis (post mortem), wurden der Gamma-Interferon-Freisetzungstest (ante mortem) und der molekulare Erregernachweis (post mortem) in das zugelassene Methodenspektrum aufgenommen. Durch Hinzunahme dieser Methoden ist die Tuberkulose-Diagnostik schneller, in vielen Fällen jedoch nicht einfacher geworden.

Tuberculosis in cattle, caused by Mycobacterium (M.) bovis/M. caprae, is globally one of the most important zoonotic diseases in cattle. It was widespread in Germany until the second half of the 20th century. Due to the effective control and eradication campaigns in Germany, the epidemic was almost eradicated. Consequently, Germany was regarded as essentially tuberculosis free since the end of 1961 (West) and the end of 1978 (East). By declaring the unified Germany "officially free of tuberculosis" (OTF) in 1996, freedom from tuberculosis was officially ratified by the European Commission. The prerequisite was the detection of tuber culosis in less than 0.1% of the cattle holdings per year in Germany. This status has been steadily maintained hitherto, thus resulting in some loss of awareness of bovine tuberculosis by veterinarians, farmers and the public over many decades. After 1996, the number of notified outbreaks had been on average less than 10 per 200,000 cattle holdings per year for many years. It was the year 2008 when the numbers increased. Based in part on subsequently enhanced ante mortem testing efforts, 46 outbreaks were notified in 2013. Bavaria and Lower Saxony were the federal states with the highest number of cases. Consequently, the national tuberculosis regulation was revised in 2009, 2012 and 2013 to form the basis for a modification of tuberculosis surveillance. Regionally, an improvement of the control strategy was considered necessary. In addition to the traditionally applied examination and detection methods of the tuberculin skin test (ante mortem) and bacteriological culture (post mortem), the gamma-interferon-release assay (ante mortem) and the molecular detection of the causative pathogen (post mortem) were introduced into the official collection of recommended methods. Consequently, the diagnostic procedure of tuberculosis has been accelerated. However, in many cases the increase in the range of available test systems did not increase the ease in the interpretation of results. © Schattauer 2014.

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Moser, Irmgard / Köhler, Heike / Menge, Christian: Die Tuberkulose des Rindes – überraschend wieder oder immer noch präsent?. 2014.

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