Chlamydien im Rinderbestand - ein Wolf im Schafspelz?

Reinhold, Petra GND; Kaltenboeck, B.; Ostermann, Carola GND; Sachse, Konrad GND

Chlamydien sind kleine gram-negative Bakterien, deren Lebens- und Entwicklungszyklus sich einschließlich in den Zellen des Wirtes vollzieht, wo sie mit ihrem Wirt um intrazelluläre Energieressourcen konkurrieren. Beim Rind ist Chlamydia (C.) pecorum die dominierende Chlamydien-Spezies. Des Weiteren wurden in Rinderherden C. abortus , C. psittaci , C. suis sowie Chlamydien-ähnliche Organismen ( Parachlamydia acantamoebae , Waddlia chondrophila ) nachgewiesen, wobei Mischinfektionen mit mehr als einer Chlamydia -Spezies sowohl auf Bestandsebene als auch im Einzeltier vorkommen. Der Nachweis von Chlamydia -Spezies ist nicht Bestandteil einer bakteriologischen Routinediagnostik und spezies-spezifische serologische Testverfahren für Chlamydien stehen bislang kommerziell nicht zur Verfügung. Zusätzlich erschwerend wirken die intermittierende Ausscheidung des intrazellulär lebenden Erregers und dessen Fähigkeit, die immunologische Antwort des Wirtes zu unterlaufen. Im Herdendurchschnitt überwiegen positive Erregernachweise bei Jungtieren, während mit zunehmendem Alter der Tiere die Antikörpernachweise im Serum zunehmen. Die in der letzten Dekade mit hoch spezifischen DNA-basierten Methoden durchgeführten Untersuchungen offenbarten, dass chlamydiale Infektionen in Rinderbeständen als ubiquitär vorhandene latente Infektionen zu betrachten sind. Diese werden mit sensitiven PCR-Methoden nachgewiesen, sind aber nicht zwingend mit eindeutigen klinischen Krankheitsbildern assoziiert. Trotz ihres asymptomatischen Verlaufs korrelieren sie bei Kälbern signifikant mit einer reduzierten Körpermasseentwicklung und bei Kühen mit signifikanten Minderleistungen in Milchmenge und Milchqualität sowie Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit und der Klauen- bzw. Gliedmaßengesundheit. Diesen ökonomisch relevanten Leistungsminderungen liegt pathogenetisch ein systematischer Entzündungsprozess zugrunde, der von der primären, latenten Chlamydien-Infektion über zirkulierende inflammatorische Mediatoren ausgelöst und aufrechterhalten wird. Zusätzlich können lokale Entzündungen in den betroffenen Organen (Darm, Genitaltrakt, Lunge, Gelenke) die funktionellen Leistungen des entsprechenden Organsystems beeinträchtigen. Das Ausmaß der Leistungsminderungen und des klinischen Bildes von Chlamydien-Infektionen bei Rindern wird durch Managementfaktoren (z.B. Betriebshygiene, Bestandsdichte, Fütterung und Futterqualität, Stallklima, Co-Infektionen) moduliert. Demzufolge ist ein gutes Herdenmanagement die derzeit beste Strategie, um ökonomische Verluste infolge klinisch inapparenter chlamydialer Infektionen zu minimieren. Eine antimikrobielle Behandlung von Chlamydien-Infektionen ist nicht zielführend. Sobald ein geeigneter Impfstoff zur Verfügung steht, kann die zyklische Herdenvakzination ebenfalls eine erfolgversprechende Strategie darstellen.

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Reinhold, Petra / Kaltenboeck, B. / Ostermann, Carola / et al: Chlamydien im Rinderbestand - ein Wolf im Schafspelz?. 2013.

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