Modellierung eines „Farm-to-Fork-Modells" als Ansatz zur Durchführung einer gesundheitsökonomischen Analyse am Beispiel von Maßnahmen zur Senkung der Prävalenz bestimmter Salmonella-Serotypen in den Beständen von Schlachtschweinen

Adrian,Nadine

Auch wenn Skandale von Gammelfleisch und BSE oft die Schlagzeilen der Presse füllen,geht eine viel größere gesundheitliche Gefahr von den sogenannten Zoonosen aus. Unterdem Begriff der Zoonosen werden Krankheiten subsumiert, welche direkt oder indirekt zwischenTier und Mensch übertragen werden können. Die Salmonellose zählt weltweit zu denam häufigsten vorkommenden Zoonosen. Im Jahr 2007 wurden alleine in Deutschland mehrals 55.400 Fälle von Salmonellen-Erkrankungen und daraus resultierende 76 Todesfälle gemeldet(RKI SURVSTAT, 2010). Darüber hinaus ist von einer enormen Dunkelziffer auszugehen.Es wird angenommen, dass die tatsächliche Erkrankungszahl etwa zwölfmal so hochist wie die Anzahl der gemeldeten Salmonellen-Erkrankungen.Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellenSchweinefleischprodukte nach den Geflügelprodukten die zweithäufigste Übertragungsquellein Bezug auf Salmonellen dar. Eine alleinige Reduzierung der gesundheitlichen Risiken derVerbraucher durch Maßnahmen im Bereich der Lebensmittelerzeugung oder der Lebensmittelzubereitungist nicht ausreichend, dies zeigen immer wiederkehrende Salmonelleninfektionen.Diese Zahlen und Erfahrungen unterstreichen die Notwendigkeit einer effektiven Salmonellenbekämpfungbeginnend bereits auf der Stufe der Primärproduktion.Neben ihrem zoonotischen Potential sind Salmonellen durch eine hohe Überlebensfähigkeitin der Umwelt sowie durch ein weites Erregerreservoir, verbunden mit einem effektiven Übertragungsmechanismus,gekennzeichnet. Das sind Eigenschaften, welche eine vollständigeEliminierung von Salmonellen aus der Schweinefleischproduktionskette nahezu unmöglichmachen. Zusätzlich zu Schmerz und Leid verursachen die Salmonellose-Erkrankungen aucherhebliche Kosten durch die Behandlung, den Krankenhausaufenthalt sowie durch den Verlustan Arbeitsproduktivität. Aufgrund knapper Ressourcen ist es daher eine wichtige Aufgabe,die aus gesundheitsökonomischer Sicht effektivsten salmonellenprävalenzreduzierendenMaßnahmen auf den verschiedenen Stufen der Schweinefleischproduktionskette herauszufiltern,auch unter dem Aspekt einer international wettbewerbsfähigen Schweineproduktion.Um zur Salmonellenbekämpfung die effektivsten Bekämpfungsmaßnahmen einsetzen zukönnen, ist es notwendig einen methodischen Ansatz zu formulieren, mit dem die gesamtwirtschaftlichenEffekte unterschiedlicher salmonellosereduzierender Maßnahmen auf Ebeneder Primärproduktion ökonomisch verglichen werden können.Ein auf die deutschen Gegebenheiten und Daten abgestimmtes Modell gibt es derzeit jedochnoch nicht. Für die genannte Fragestellung erschien keines der vorhandenen Modelle andererNationen als so gut geeignet, dass es ohne Modifikationen übernommen und angewendetwerden konnte. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Arbeit ein eigenes Modellentwickelt, welches auf Grundlage bereits vorhandener Modelle erstellt wurde und insbesonderean deutsche Besonderheiten (z. B. hoher Verzehr von rohem Fleisch) und die vorhandeneDatengrundlage angepasst ist. Die Formulierung eines methodischen Ansatzes, mitdem die gesamtwirtschaftlichen Effekte unterschiedlicher salmonellosereduzierender Maßnahmenauf Ebene der Primärproduktion ökonomisch verglichen werden können, ist das Zielder vorliegenden Arbeit.Um dieses Ziel zu erreichen, werden zunächst die Grundlagen bezüglich der Bakteriengattung Salmonella sowie die Salmonelleneintragsquellen auf Betriebsebene und verschiedenemögliche Maßnahmen, welche bereits im Betrieb zur Vermeidung eines Salmonelleneintragsbeitragen können, dargestellt. In einem weiteren Schritt wird mit der gesundheitsökonomischenAnalyse das methodische Grundgerüst vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf dem"Disability Adjusted Life Years" (DALY)-Konzept. Hierbei wird erstmals für Deutschland eineKombination der Lebensmittelkettenbetrachtung in Verbindung mit dem DALY-Konzept zurBewertung verschiedener Maßnahmen systematisch angegangen.Die Effekte der bereits auf der Stufe der Primärproduktion eingesetzten Maßnahmen wirkennicht direkt auf den Verbraucher, es liegen vielmehr verschiedene Stufen der Lebensmittelkettezwischen Primärproduktion und Verbraucher. Diese beeinflussen den Zusammenhangauf vielfältige Art und Weise. Eine Lösung zur Darstellung solch komplexer Zusammenhängeist deren Vereinfachung anhand von Modellen. Kern dieser Arbeit ist die Modellierung eines"Farm-to-Fork-Modells" mithilfe des Programmes @Risk. Mithilfe dieses Modells soll eineAbschätzung der Auswirkungen von im Betrieb eingesetzten Maßnahmen auf den Verbraucherin Form von verschiedenen Szenarien vorgenommen werden. Das Ausgangsszenariowird anhand von Daten aus Deutschland für das Jahr 2007 modelliert.Abschließend erfolgt eine erste Anwendung des Modells anhand der Beispielszenarien "Impfender Schweine" und "Testen der Läufer". Es werden jeweils die Erkrankungszahlen undTodesfälle als Output des Modells angegeben sowie die Kosten und der Nutzen der Maßnahmeerrechnet. Um die Beispielszenarien vergleichen zu können, erfolgt ein Ranking derSzenarien.

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Adrian,Nadine: Modellierung eines „Farm-to-Fork-Modells" als Ansatz zur Durchführung einer gesundheitsökonomischen Analyse am Beispiel von Maßnahmen zur Senkung der Prävalenz bestimmter Salmonella-Serotypen in den Beständen von Schlachtschweinen. Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät Humboldt-Universität zu Berlin 2012.

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